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Römerbad "Villa Rustica"

Beim Römerbad handelt es sich um den Nachbau der Fundamente eines öffentlichen römischen Bades aus demselben Zeitraum, das im Siedlungsbereich der römischen Straßenstation (ad nonas) an dieser Stelle ausgegraben wurde.

Nördlich des Mithraeums wurden am Rande des Städtischen Friedhofs die Fundamente eines römischen Bades entdeckt, das kein Privatbad, sondern der Öffentlichkeit zugänglich war. Es gehörte zu der römischen Siedlung »ad nonas«, der letzten Straßenstation vor Augsburg. Das notwendige Wasser wurde der römischen Wasserleitung nach Augsburg entnommen, die oberhalb am Hang verlief. Die im Boden liegenden Mauerreste überdeckte man fachgerecht zur Erhaltung für spätere Generationen. Um das Badehaus der Öffentlichkeit nachvollziehbar zeigen zu können, wurden die Fundamente oberirdisch mit Gabionen nachgebildet. Ein Pavillon mit Erläuterungen, Fotos und einem Aluminum- Modell des Gebäudes ergänzt die Fundstelle.

Die Römer in Königsbrunn

Seit 1976 kannte man römische Funde im Bereich des Städtischen Friedhofs an der Wertachstraße von Königsbrunn, die auf eine Landsiedlung 1,2 km abseits der via Claudia deuteten, ln den Jahren 1975-1977 und 1998-2012 fanden umfangreiche Aus­grabungen statt, um das Bodendenkmal vor der nachfolgenden Friedhofsbelegung zu sichern.

Im gesamten Bereich des Friedhofs stieß man auf Gebäudespuren der Römerzeit. Meist handelte es sich um Fundamente aus Tuff­stein, auf denen Holzgebäude errichtet waren. Die am Hang ver­streute Lage der Bauten deuten auf einen Gutshof (villa rustica) hin, wie er zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion überall um die fruchtbare Lösshochterrasse zu finden ist. Zu dieser Anlage gehörte auch eine Badeanlage.

Die Ansiedlung kann mit der Station ad novas auf einer römischen Straßenkarte, der Tabula Peutingeriana, identifiziert werden. Dabei handelt es sich um einen Lesefehler des mittel­alterlichen Abschreibers der Karte; gemeint war ad nonas, beim neunten Meilenstein, was mit der tatsächlichen Entfernung nach Augsburg von 13 km gut übereinstimmt.

Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus dem frühen 1. Jahr­hundert n. Chr.; die Anlage bestand über 200 Jahre bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts. Brandspuren deuten auf eine Zerstörung bei den Germaneneinfällen in der Zeit um 254/260 n. Chr. Später wurde die Siedlung wieder auf- und umgebaut und wahrschein­lich jetzt durch neue Siedler (vielleicht aus dem aufgegebenen Limeshinterland nördlich der Donau) verstärkt und zu einer offenen Straßensiedlung (vicus) umgeformt. Zumindest das er­höhte Fundaufkommen dieses Jahrhunderts macht eine solche Möglichkeit wahrscheinlich.

Damals entstand im Zentrum der Siedlung ein Mithraeum, das wenige Meter südlich unter einem Schutzbau besichtigt werden kann. Wegen der intensiven Umbaumaßnahmen darf man vermuten, dass das Badegebäude weiterhin bestand.

Die jüngsten Funde stammen aus der Zeit um 400 n. Chr. Als Folge der politischen Ereignisse und des damit verbundenen wirtschaftlichen Niedergangs gingen damals fast alle kleineren Landsiedlungen zugrunde.

Das Römerbad

Bäder (thermae, balneae, balneariae) gehören zum allgemeinen Hygienestandard der Römerzeit und waren in allen Siedlungen, in den Städten und Dörfern und sogar den kleinen Gutshöfen auf dem Land zu finden. In den Städten gab es zahlreiche große und kleine Thermen, die zum Teil vom Kaiser oder dem Statt­halter, wie man heute sagen würde, gesponsert wurden. Andere betrieben private Investoren zum Gelderwerb und wieder andere errichteten sich kleine Familienbäder in ihren Häuserblocks.

Die Bäder der dörflichen Ortschaften (v/c/) waren meist Privat­bäder, die auf Miet- oder Pachtbasis betrieben wurden. Auch jeder Gutshof auf dem Land besaß ein kleines Badehaus für die Familie des Hofbesitzers; es besaß alle Einrichtungen einer städtischen Therme und konnte damit die gewohnten Ansprüche erfüllen.

Üblicherweise badeten Männer und Frauen getrennt; dement- , sprechend gab es oft symmetrisch gebaute Männer- und Frauen­thermen. Aus Inschriften wissen wir, dass Frauen morgens bade­ten, wenn das Wasser noch sauber war, während die Männer am Nachmittag das Bad besuchten und dafür aber einen geringeren Eintrittspreis entrichten mussten. Je nachdem, wer das Bad be­trieb und für Feuer, Wasser und Reinigung sorgen musste, wurde Eintritt verlangt.

Das Bad war ein wichtiger sozialer Ort. Hier trafen sich die Be­wohner zu Gespräch und Spiel, hier wurden die neuesten Nach­richten weitergegeben und diskutiert. Man entspannte sich von der Tagesarbeit, wusch und pflegte seinen Körper und ließ sich massieren. Eine Toilette lag wenige Meter außerhalb; die Größe der Versitzgrube deutet auf eine zweisitzige Latrine (lavatrina} hin.

Funde aus dem Bad

Bei den Ausgrabungen sind zahlreiche Fundobjekte geborgen worden, die die aggressiven Lagerungsbedingungen im Boden über 2000 Jahre überdauert haben. Vor allem handelt es sich um
Metalle (Bronze, Eisen), Glas, Keramik und Knochen. Alle anderen Werkstoffe haben sich im Lauf der Zeit aufgelöst, vor allem Holz, Textilien und andere organische Materialien. Einiges kam schon
während der Bauzeit in den Boden: eine Mörtelkelle, ein Löffelbohrer, Bauklammern und andere mit dem Bau verbundene Eisenteile.

Solange man das Bad täglich nutzte, hat sich nur wenig abgelagert, weil die Räume, Böden und Wasserbecken sorgfältig sauber gehalten wurden. Lediglich einige Haarnadeln der Damen gingen
beim Baden verloren; weil es sich um billigen Haarschmuck handelte, hat man nicht lange nach ihnen gesucht.

Die meisten Objekte gerieten nach der Nutzungsphase in das verfallende Gebäude; dann wurde hier vor allem der tägliche Hausmüll abgeworfen und wie auf einer Schutthalde deponiert: Zerbrochene Keramik, Speisereste, Eisenschlüssel, aber auch die eine oder andere Münze oder Fibel kam mit dem Abfall in die Ruine des Badegebäudes.

Interessant war die Füllung der Latrine. Sie enthielt in den typisch krustigen Fäkalienschichten ahlreiche Knochensplitter und Reste von Amphibien und anderen Kleintieren, die in die Abortgrube gefallen waren und dort verendeten.

Römerbad Königsbrunn

Wertachstraße
86343 Königsbrunn

Im Städtischen Friedhof Königsbrunn.

Das Römerbad ist öffentlich zugänglich und kann jederzeit besucht werden.

Führungen nach Vereinbarung.

Der Eintritt ist frei.

Weiter Informationen erhalten Sie im Kulturbüro.

Kulturbüro Königsbrunn

Marktplatz 9, 86343 Königsbrunn

Öffnungszeiten:
Mo., Do., Fr., 08.00 - 12.30 Uhr
Di., 07.00 - 16.00 Uhr
Do., 14.00 - 18.00 Uhr